Wettbewerb im Schienengüterverkehr: Wider Willen zum Erfolg
Es war alles angerichtet zur grossen Fusion: Am 30. März 1998 schauten die Chefs der SBB und der italienischen Ferrovie dello Stato stolz aus den Führerständen und verkündeten das Joint-Venture SBB-FS der beiden Gütersparten, um im europäischen Wettbewerb nicht unter die Räder zu kommen. Sie waren von der Angst getrieben, dass die DB Cargo alle überfährt. Im Norden hatten die Niederlande und Dänemark ihre Güterbahnen an die Deutsche Bahn verkauft. In einem Alleingang sah die SBB-Leitung keine Chance, um im Schienengüterverkehr überleben zu können. Im letzten Moment brachen die SBB im Frühling 2001 das Projekt ab.
Gegen alle Ängste wurde der Alleingang gewagt und auf der Nord-Südachse Tochtergesellschaften gegründet. Die SBB Cargo International hat sich im internationalen Wettbewerb behauptet und steht als eine der weniger Güterbahnen finanziell solide da. Die zweite Schweizer Güterbahn, die BLS, wählte den gleichen Weg. Sie ist mit der BLS Cargo AG seit 2001 im alpenquerenden Schienengüterverkehr tätig. Nachdem sie anfänglich auf eine Partnerschaft mit der DB Cargo AG setzte, übernahm 2015 die Captrain Holding, eine Tochtergesellschaft der französischen Staatsbahn SNCF, mit 45 Prozent eine bedeutende Beteiligung. Auch 25 Jahre nach der Marktöffnung ist die vergleichsweise kleine BLS Cargo AG weiterhin Marktführerin auf der Lötschberg-Simplon-Achse.
Der Erfolg im internationalen Schienengüterverkehr hat nicht geholfen, die Vorteile von Wettbewerbselementen im Schienenverkehr aufzuzeigen oder Ängste gegen den Wettbewerb abzubauen. Das Schweizer Modell des öffentlichen Verkehrs setzt in weiten Teilen auf Direktvergaben.
Die ganze Geschichte zum Wettbewerb im öV-System Schweiz findet sich im Buch ‘Die Schweiz fährt vor’, welches am 9. März 2026 im NZZ-Libro-Verlag erscheint.
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