In Bern obe 10/26
Kolumne erschienen am 7. Oktober 2026 im Wohler Anzeiger
Die unrentablen Bahn- und Buslinien sind regelmässig ein Thema in Bern obe. Regelmässig wird von den Sparaposteln in Bundesrat oder Parlament gefordert, dass unrentable Linien gestrichen werden und die Bähnli- und Busreisenden generell mehr bezahlen sollen. Gut ist nur, was rentabel ist.
Wenn wir diesen Gedanken weiterführen, dann gäbe es in der Schweiz kaum mehr Museen oder Theateraufführungen. Die Kultur bestände aus Helene Fischer und Peach Weber. Die Kirchen müssten ohne Kirchensteuer schliessen. Überleben würden nur Sekten, welche ihren Gläubigen alles Geld aus der Tasche ziehen. Auch Autofahren wäre nicht mehr so günstig, wenn die Automobilisten für die Umwelt- und Gesundheitskosten vollständig aufkommen müssten. Die ältere Bevölkerung läuft Gefahr, dass eine 13. AHV-Rente als finanzielle Last und nicht als soziale Verantwortung gesehen würde, Volksentscheid hin oder her. Nur für die Armee wollen die Politiker das Geld fliessen lassen, sofern den irgendwer Waffen in die Schweiz liefern möchte. Kaum Sorgen brauchen sich die Bauern um ihre Direktzahlungen zu machen. Da hilft Bauernschläue und gutes Lobbying.
Was mit Ländern passiert, welche in Randregionen sparen, sieht man an den Wahlergebnissen in Deutschland, Frankreich oder Italien. Die Leute fühlen sich von der Politik vergessen. Sie wählen Heilsbringer, die für alles einen Sündenbock kennen, meistens die Ausländer oder die EU. Sie versprechen die Lösung aller Probleme. Aber nur, wenn die Umsetzung nichts kostet.
Eine rentable Schweiz wäre keine schöne Schweiz. Es gäbe bald nur noch Banken oder Rohstoffhändler. Banken allerdings nur bis zur nächsten Finanzkrise. Dann müssten wir sie retten, weil sie zu wenig Eigenkapital aufgebaut haben. Aber davor und danach sind sie rentabel und dürfen in Ruhe ihre hohen Boni auszahlen.
Bahnen und Busse erschliessen in der Schweiz nicht nur die Städte und Agglomerationen, sondern auch ländliche Regionen und Berggebiete. Sie tragen zum Zusammenhalt bei wie Schulen, Regionalspitäler oder Sportanlagen (gerne auch mit Kunstrasen). Dieser Service public kostet etwas. Er macht die Schweiz zur lebenswerten Schweiz. Das lohnt sich!
Foto: . Elektrobus bei Chur. © PostAuto.