Groupe de réflexion: Das Ende marktwirtschaftlicher Illusionen

1993 veröffentlichte die ‘Groupe de réflexion über die Zukunft der SBB’ ihren Schlussbericht. Sie kam zu einem Schluss, welcher die Zukunft der SBB und aller Bahnen prägen würde: «Unter den heutigen Marktbedingungen und unter Anrechnung der vollen Infrastrukturkosten würden die rein gewinnorientierten SBB keinen Zug fahren und keinen Streckenkilometer betreiben können.»

Nichts-desto-trotz strebten die Experten eine unternehmerische SBB an, welche sich auf den Personenfern- und Güterverkehr konzentrierte. Bei Zulieferfunktionen wurden umfangreiche Auslagerungen empfohlen. Der Regionalverkehr sollte den Privatbahnen überlassen werden. Mit dieser marktwirtschaftlichen SBB sah die Groupe de réflexion ein hohes Sparpotential von jährlich 200 bis 500 Mio. Franken als realistisch an. 17 Prozent des Netzes wurden als stark unwirtschaftlich bezeichnet, welches einzustellen wäre. Im Wagenladungsverkehr müsse die Bedienung um mehr als 40 Prozent der damals 658 bedienten Bahnhöfe reduziert werden.

Die Vorschläge der Expertengruppe führten zu politischen Auseinandersetzungen. Eine SBB mit einem einschneidenden Angebotsabbau in ländlichen Regionen war nicht mehrheitsfähig. Verkauft wurden schlussendlich nur das Stückgutgeschäft (Cargo Domizil), die Bodenseeschifffahrt und die Nachtzüge. Die Brünigbahn wurde in die Zentralbahn ausgelagert. Die Illusion einer marktwirtschaftlichen SBB wurde aufgegeben. Heute sichern Bund und Kantone mit vielfältigen Instrumenten ein flächendeckendes Angebot.

Wie diese Instrumente aussehen, findet sich im Buch ‘Die Schweiz fährt vor’, welches am 9. März 2026 im NZZ-Libro-Verlag erscheint.

Bild: Groupe de réflexion: Schlussbericht 1993. Seite 76.

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In Bern obe 2/26