In Bern one 8/26

Bern wurde wieder mal allen Vorurteilen gerecht: Eine als Mann gelesene Frau wollte im Paradiesli im Eva-Kostüm sünnele. Die neue Geschlechteridentität konnte im Paradiesli nicht basisdemokratisch ausdiskutiert werden. Es wurde handgreiflich, wie in Mani Matters Lied, ‘Sie hei dr Wilhälm Täll im Loie z’Nottiswil ufgführt’. Die Polizei als Freund und Helferin hat die traditionelle Geschlechterteilung wieder hergestellt. Richtig explodiert sind die sozialen Medien, als die zuständige Stadträtin die Polizisten als Sündenböcke ortete.

Für alle Nicht-Berner ist das erklärungsbedürftig. Das Paradiesli ist ein abgetrennter Teil des Berner Freibades Marzili, wo Frauen, die wie Frauen aussehen, textillos sünnele (was ich nur vom Hören-Sagen kenne). Wer die schönste Badi der Schweiz besuchen möchte, muss ein paar Hinweise beachten: Das Paradiesli würde ich geschlechterunabhängig meiden. Für Frauen gibt es eine schöne, ruhige Liegewiese. Männer werden hier nett weggewiesen. Früher gab es den ‘Bueber’, einen alten Nebenarm der Aare, wo sich Männer mit zu knappen Badehosen Treffen konnten. Er wurde einem Schwimmkanal für einen bequemen Ausstieg aus der Aare geopfert und ist jetzt geschlechtsoffen beschwimmbar. Das Kinderbädli bleibt Familien vorbehalten. Es wurde in den letzten Jahren aufgehübscht, hat schattenspendende Segel und fliessendes Wasser. Kein Vergleich zum seichwarmen Bädli an praller Sonne, in dem ich mit meinen Töchtern geplantscht habe. Wir haben es überlebt.

Es gibt eine Wiese für Junge und solche, die meinen, sie seien es noch, zwei Volleyballfelder und fünf Kraftgeräte, die ein klein wenig Venice-Beach-Gefühl aufkommen lassen. Der Klimmzüge reichen, um mithalten zu können. Bei den Ping-Pong-Tischen ist Vorsicht vor älteren Männer geboten. Die spielen meist viel besser Tischtennis als die Jungen und putzen sie vom Platz. Natürlich hat es eine grosse Liegewiese. An schönen Tagen ist sie mehr als voll. Wer fremde Füsse (weiblich, männlich oder divers) fünf Zentimeter neben seinem Kopf nicht erträgt, ist fehl am Platz.

Da hilft nur ein Bad in der Aare. Da verschwimmen alle Geschlechterunterschiede.

(Kolumne erschienen im Wohler Anzeiger vom 22. August 2026)

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In Bern obe 7/26